Von der Theorie zur Praxis:
Drosophila-Genetik im Leistungsfach Biologie
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Wie funktioniert die Weitergabe genetischer Information? Um diese Frage nicht nur theoretisch zu beantworten, haben sich die Schülerinnen und Schüler des Leistungsfachs Biologie in den vergangenen Wochen intensiv mit der Taufliege Drosophila melanogaster beschäftigt.
Warum Drosophila als Modellorganismus?
In der modernen Genetik ist die Taufliege einer der bevorzugten Modellorganismen. Die Tiere sind anspruchslos in der Haltung, haben eine kurze Generationsdauer von etwa zehn Tagen und ermöglichen durch ihre hohe Nachkommenzahl statistisch belastbare Auswertungen. Zudem lassen sich morphologische Merkmale wie Augenfarbe oder Flügellänge unter dem Binokular präzise bestimmen – ideale Voraussetzungen, um theoretische Konzepte wie die Mendelschen Regeln in der Realität zu prüfen.
Präzision als Voraussetzung
Bevor die eigentlichen Kreuzungsexperimente starten konnten, war handwerkliche Sorgfalt gefragt. Die Schülerinnen und Schüler mussten zunächst den fachgerechten Umgang mit den winzigen Tieren erlernen:
- Betäubung: Mittels CO₂ und Kälte werden die Fliegen kurzzeitig immobilisiert, um sie ohne Verletzungsgefahr unter Lupe und Binokular untersuchen zu können.
- Geschlechtsbestimmung: Eine essenzielle Fertigkeit, um sicherzustellen, dass nur die spezifisch ausgewählten Elterntiere verpaart werden.
- Haltung: Die sorgfältige Versorgung der Populationen musste sichergestellt werden.
Ein konkretes Beispielexperiment im Kurs
In einer Versuchsreihe wurde die Vererbung zweier Merkmale betrachtet: Augenfarbe und Flügellänge. Die Schülerinnen und Schüler kreuzten Wildtyp-Männchen (rote Augen, normale Flügellänge) mit Weibchen, die rezessive Allele für diese Merkmale aufwiesen (weiße Augen, Stummelflügel).
Das Ergebnis in der F1-Generation (der ersten Tochtergeneration) war ein anschauliches Beispiel für die Mechanismen der Vererbung:
- Alle Nachkommen hatten normale, lange Flügel. Das dominante Allel setzte sich hier durch.
- Bei der Augenfarbe zeigte sich jedoch eine geschlechtsabhängige Vererbung: Während fast alle Weibchen rote Augen aufwiesen, trugen die Männchen meist weiße Augen. Der Grund hierfür ist, dass das Gen für die Augenfarbe auf dem X-Chromosom liegt.
Dass unser Experiment die theoretische Erwartung bis auf wenige Ausnahmen bestätigte, war für den Kurs beeindruckend. Die Abweichungen boten zudem eine hervorragende Grundlage für eine wissenschaftliche Reflexion und eine Optimierung unseres Versuchsdesigns.
Dank an Universität Regensburg
Ein herzlicher Dank gilt Herrn Prof. Dr. Sprenger und Frau Sprenger von der Universität Regensburg. Durch ihre fachliche Einweisung in die Arbeit mit den Fliegen sowie die großzügige Bereitstellung verschiedener Drosophila-Stämme konnten wir dieses anspruchsvolle Projekt auf universitärem Niveau realisieren. Diese gewinnbringende Kooperation hat unseren Biologieunterricht um eine wertvolle praktische Dimension erweitert.
















